Viel wurde geschrieben in den letzten Tagen über die Daten, welche der deutschen Regierung angeboten werden. Roger Köppel palaverte laut in auf stern.de davon, das Bankgeheimnis sei geschaffen worden, um den Deutschen finanzielle Privatsphäre und Schutz vor den Kapitalschnüfflern Hitlers zu gewähren. Dass die Schweiz mit den Nazis trotzdem gute Geschäfte machte, erwähnt Köppel selbstverständlich nicht.
Die Bundesregierung bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, wenn sie Daten eines Diebes kauft, also sozusagen Unrecht gutheisst. Hätte der Mann aus Idealismus gehandelt und die Daten kostenlos zur Verfügung gestellt, es wäre weniger pikant gewesen, doch der Mann handelt – wie im Bankensektor ja durchaus üblich – aus purem Eigennutzen. Trotzdem plant die Bundeskanzlerin Merkel den Kauf des Diebesgutes. Und die Schweiz setzt auf Wiederstand, verschanzt sich. Köppel drischt populistische und unsinnige Phrasen wie “Alle deutschen Minister, welche die Schweizer Grenze überschreiten, wären zu verhaften”.
Eigentlich dachte man, es könne nicht mehr schlimmer kommen. Man dachte, die Initianten der Anti-Minarett-Initiative hätten mit ihrem hetzerischen Angstmacherplakat den Tiefpunkt erreicht. Doch alle, die dachten, das Niveau in diesem Wahlkampf könne nicht mehr weiter sinken, werden eines besseren belehrt: Ab heute hat man die Möglichkeit, sich mit Gewalt gegen die Islamisierung der Schweiz zu wehren – zumindest virtuell. Die SVP bot schon zum Wahlkampf ‘07 ein “amüsantes” Spiel, bei dem man Linke, Grüne und Richter erschiessen konnte, dieses mal kann man sich an den muslimischen Gotteshäusern vergreifen und den Muezzins die Fresse stopfen. Schafft man es nicht, das Minarett rechtzeitig abzuschiessen, erscheinen mehrere dieser lustigen Männchen auf dem Minarett und stören die schöne Ländlermusik mit Gebetsrufen. Die Frage bleibt: Wen will man eigentlich mit solch primitiver, falscher Propaganda überzeugen?
Oft hört man von notorischen Bildschirmhassern wie Manfred Spitzer, Medienkonsum lasse uns verdummen, beeinträchtige unsere schulischen Leistungen und habe auch sonst nur schlechte Auswirkungen. Gamer werden als Menschen ohne Empathie und Hirn dargestellt.
Dem ist aber nicht so, wie der “Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.”, kurz BITKOM kürzlich herausgefunden hat. Es wurden 1002 Menschen über 14 Jahren zum Thema Games auf dem PC, der Spielkonsole und den Handy befragt. Das überraschende Ergebnis: Menschen mit hohem schulischen Abschluss (Abitur) spielen häufiger als ihre Altersgenossen mit weniger hohem Abschluss (Hauptschule). Während bei den Abiturienten jeder dritte spielte, war es bei den Hauptschul-Abgängern nur jeder fünfte. Dies heisst im Klartext: Games sind ein Medium, dass vermehrt von sehr gebildeten Menschen genutzt wird, denen dieses Medium offenbar weder ihr Hirn noch ihr Herz geraubt hat und sie auch in ihrer Entwicklung nicht behindert hat. Gamer sind keine hirnlosen, asozialen Couchpotatoes, die jeden Moment durchdrehen könnten, Gamer sind tendenziell sozial gut eingebundene, gebildete Menschen, Endscheidungsträger in unserer Gesellschaft, kultivierte Zeitgenossen, Intellektuelle. Offenbar sind diese Menschen offener gegenüber den neuen Medien und verteufeln diese nicht grundlos, sonsern legen selbst Hand an. Wie gross die Verbreitung des Hobbys Videospiel und somit die Toleranz in den einzelnen Berufsgruppen, insbeondere bei Politikern ist, wurde leider nicht erhoben.
Ja, ich gestehe es. Ich habe meinen Blog in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Das soll sich jetzt aber ändern, denn ich habe mich in letzter Zeit so über dieses doofe Programm von Apple geärgert, dass ich einfach darüber bloggen muss. Ich frage mich wirklich langsam, wieso dieses Stück Software so miserabel programmiert werden konnte. Wollten die Apple -Entwickler sagen “Kauf keinen Mac, du siehst doch wie mies wir programmieren”? Oder können sie es einfach nicht besser? Wollen die Apple-Entwickler uns Windows-User bestrafen? Oder haben die einfach keinen in ihrer Firma, der für Windows programmieren kann? Hier einmal die zehn besten Gründe, iTunes zu hassen.
Was auch immer die Abstimmung nächsten Sonntag über die Personenfreizügigkeit ergeben mag, eines ist jetzt schon klar: Politiker und Politikerinnen in der Schweiz haben endlich das Internet gefunden. Ein Vorbild muss nicht lange gesucht werden, Obama ist der grosse Vorreiter in diesem Gebiet. Wer sich auch nur ansatzweise für den Wahlkampf interessierte sah, dass Obamas Kampagne massiv auf das Internet als Mobilisierungsplatform setzte. Anscheinend hat eine Analyse dieses Wahlkampfes stattgefunden, denn Elemente das US-Wahlkampfes sind auch hier zu finden. So hat die Pro-Kampgagne exakt nach amerikanischem Vorbild gearbeitet und dieses Video erstellt. Der individualisierte Name des Empfängers wird intelligent eingebunden, so dass dieser dynamisch Im Video als Text erscheint, jedoch nicht mündlich genannt wird. Der Aufbau der beiden Videos ist sehr ähnlich: Eine Seriöse Nachrichteneinleitung, empörte Bürger, Demonstranten, die in beiden Fällen eher unbeliebten konservativen Figuren die sich positiv äussern und die Korrespondenz mit dem Ausland, wo falsche Untertitel unterlegt werden. Ein bisschen ausführlicher ist die Schweizer Version, wo Barack Obama zum Problem sprich, dann aber nach dem ersten Satz recht frei auf deutsch übersetzt wird. Ausserdem wird ein Seitenhieb auf Lukas Reimanns Protestaktion gemacht, das Schreckensszenario, dass dieser bei einem Ja vorhersagt, wird als Realität nach einem Nein dargestellt.
Die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit war noch letztes Jahr eine klare Sache. Die Wirtschaft stand noch gut da, und 2 Vorlagen waren selbst innerhalb der SVP stark umstritten. So ergriff die SVP letzten Sommer nicht das Referendum, mit der Begründung, man wolle die Abstimmung boykottieren, da ein „undemokratisches Päckli“ geschürt worden sei. In Wahrheit war die Zustimmung für ein Referendum innerhalb der SVP sehr gering, der sogenannte Wirtschaftsflügel der SVP mit Exponenten wie Peter Spuhler warnte vor den Folgen der Auflösung des Freizügigkeitsabkommens. Das Referendum wurde schlussendlich von den kleinen rechten Randparteinen wie den Schweizer Demokraten und der JSVP zustande gebracht. Die SVP versuchte das äusserst knapp zustande gekommene Referendum noch zu verhindern, doch auch sie stimmte dem Referendum schlussendlich zu, was für einige Verwirrung bei den Stimmbürgern sorgte.
Die grosse Zustimmung für die Personenfreizügigkeit war verständlich, denn viele rationale Argumente sprechen dafür. So ist die bisherige Freizügigkeit eine Erfolgsgeschichte, die der Schweiz in den letzten Jahren wirtschaftlich sehr geholfen hat, und in der Schweiz Arbeitsplätze erhalten hat, die sonst vielleicht wegen mangelnden Arbeitskräften in die EU ausgelagert worden wären. Nicht umsonst steht der Wirtschaftsverband Economiesuisse voll und ganz hinter der Vorlage.
Unpopuläre Entscheide werden meist nicht an die grosse Glocke gehängt. Gerade darum ist es interessant zu sehen, wer sich gegen das kostenlose Herunterladen von Musik und somit für die Kriminalisierung der Konsumenten einsetzt. Ein Interview mit dem IFPI-Vizepräsident der Schweiz, Beat Högger wurde gestern auf 20min.ch veröffentlicht, in dem der gute Herr folgendes sagt:
Was kann die Politik tun?
Seit 1. Juli 2008 gilt das neue Urheberrecht. Die Schweiz musste es ändern, weil man internationale Verträge mit der World Intellectual Property Organization (WIPO) unterschrieben hatte, die das vorsahen. Das Gesetz geht uns aber nach wie vor nicht weit genug, weil es beispielsweise den reinen Download von illegalen Angeboten nicht ausdrücklich verbietet. Die im Urheberrechtsgesetz vom 9. Oktober 1992 festgelegte Schranke, dass veröffentlichte Werke zum Eigengebrauch verwendet werden dürfen wird heute dazu missbraucht, den Kauf von Musik zu umgehen.
…
Warum hat die Schweiz kein schärferes Gesetz bekommen? Wir hatten bei der Teilrevision des Gesetzes die Unterstützung von Teilen der FDP und der SVP. Viele Politiker wollten allerdings ihre Wähler nicht verprellen. Man kann nicht jahrelang behaupten, dass alles legal ist und dann plötzlich das Filesharing einschränken. Das zöge grossen Unmut der Bevölkerung nach sich.
Zwar waren die Bürgerlichen mit ihrem Vorstoss zur Kriminalisierung des Downloads nicht erfolgreich, dennoch: Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich die Schweizerische “Volks”partei anstatt für den Bürger und seine Rechte für die Wirtschaft und die Profite der Musikindustrie einsetzt. Von der FDP war das ja zu erwarten. Die Frage ist bloss, wann die SVP-Wähler merken, dass diese Partei sich nicht dem Schweizer Volk, sondern dem Kapital verschrieben hat.
Wieder einmal hat sich die Nützlichkeit des Bittorrent-Protokolls gezeigt. Während die ganze Welt darüber ächzt, dass man Windows 7 in der ersten Betaversion nicht herunterladen könne, da die Windows -Server überlastet wären, laden intelligentere Zeitgenossen ihre Beta per Bittorrent herunter. Im Gegensatz zu zentralen Server bricht ein Torrent nämlich nicht einfach ein, im Gegenteil: Je mehr Seeder, desto besser. So flutschte die Beta bei mir mit konstant über 1MB/s durch die Leitung.
Dennoch soll das hier keine Lobeshymne auf BitTorrent sein, sondern eine erste Beurteilung von Windows 7. Fangen wir mit der Installation an. Wer hier eine Revolution erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Installation ist beinahe identisch mit der von Windows Vista, wobei die zeitraubende Leistungsprüfung des Computers wegfällt. Auch vom Visuellen her erinnert Windwos 7 sehr an Vista, das Design wird konsequent weitergeführt. Vieles erinnert dann auch an Vista, die Sidebar ist nicht mehr standardmässig präsent, und einen abgedunkelten Hintergrund hat sie auch nicht mehr, Gadgets sind aber weiterhin vorhanden.
Wer ein Bugfeuerwerk oder Bluescreens am laufenden Band erwartet hat wird ebenfalls entäuscht sein, denn Windows 7 läuft bisher wie am Schnürchen, installiert alle Treiber automatisch (bis auf die der Webcam, die haben nicht funktioniert) und das ganze auch noch flüssig und in einem angemessenen Tempo. Sogar Apples iTunes, das mit Vista so seine Probleme hatte, funktioniert.
Vermutet habe ich es schon immer, doch nun bin ich mir ganz sicher: Toni Brunner ist geistig nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Anders lässt sich einfach nicht erklären, was er heute laut dem Tages-Anzeiger bei der Delegiertenversammlung der seiner Partei herausgelassen hat. Zur Weltfinanzkrise meinte er:
Wer jetzt aber die alte sozialistische Lehre wieder aufkoche, der verschlimmere nicht einfach die Krise, sondern er programmiere eine Katastrophe vor, sagte Brunner. Die Krise dürfe nicht zur Rechtfertigung politischer Rezepte von gestern herangezogen werden.
Die derzeitige Krise sei durch eine «antischweizerische Wirtschaftspolitik von Mitte-Links» hervorgerufen worden, sagte Brunner weiter. Verantwortlich sei der internationalistische Grössenrausch, mit dem sich Politik und Grosskonzerne gegenseitig angesteckt hätten.
Lieber Toni, das ist so falsch, dass wahrscheinlich sogar dein grosses Vorbild, der Christoph, sich gerade wünscht, dich nie in dieses Amt gehievt zu haben.
Toni Brunner hat doch nicht allen ernstes das Gefühl, die Sozialdemokratie sei eine Lehre von gestern? Die Lehre der SVP müsste dann wohl relativ gesehen aus der Steinzeit stammen. Und mit Steinzeitrezepten löst man erst recht keine Krise. Toni Brunner erkennt nicht, dass der entscheidende Vorteil gegenüber der Krise von 1929 die internationale Vernetzung ist. Die Staaten schnüren ein gemeinsames Paket um die Krise abzuschwächen, während man vor 80 Jahren die Bevölkerung ins offene Messer laufen liess. Wenn es also nach der SVP ginge, wäre die Krise wie 1929 verlaufen, mit all ihren hässlichen Folgen.